Satire aus Simbabwe – Das Übersetzen von „Glory“ von NoViolet Bulawayo

Shownotes

Wie überträgt man Wortspiele, Anspielungen und Neologismen vom Englischen ins Deutsche? Wie findet ein Übersetzer den Rhythmus und Tonfall für seine Übersetzung? Und welche Herausforderungen gibt es, als weißer Mann eine Schwarze Autorin zu übersetzen? Darüber sprechen Sonja Hartl und Weltempfänger-Jurorin Ines Lauffer mit Jan Schönherr anlässlich seiner Übersetzung von NoViolet Bulawayos Roman „Glory“, erschienen bei Suhrkamp 2023.

„Glory“ spielt in dem fiktionalen Land Jidada – „mit einem da und noch einem da“ –, das auf dem afrikanischen Kontinent seit über 40 Jahren vom Alten Pferd und seinen Getreuen der Jidada Partei beherrscht wird. Einst haben sie die Unabhängigkeit erkämpft, aber heute ist Jidada durch Korruption, Skrupellosigkeit und Egoismus zu einem der ärmsten Länder des Kontinents geworden. Dürre, Armut und Stromausfälle sind ebenso an der Tagesordnung wie Wahlfälschungen, ethnische Säuberungen und Folterungen. Aber nicht das wird das Alte Pferd stürzen, sondern die Ambitionen seiner Ehefrau, der Eselin Marvellous. Als sie offensichtlich seine Nachfolge anstrebt, haben sein Vize und die Anführer der Defenders -– eine brutale Armee aus bissigen Hunden – genug und setzen das Alte Pferd mit einem unblutigen Coup ab. Zu dieser Zeit kommt die Ziege Destiny zurück in ihre Heimat, um ihre Mutter zu besuchen und sich vergangenen Traumata zu stellen. Eine bissige Satire, eine gelungene Mischung aus Spott, Wut und Witz – und ein großer Roman!

„Glory“ stand im Sommer 2023 auf dem Weltempfänger Nr. 59, damals schrieb Jury-Mitglied Claudia Kramatschek: „Beißend komisch und tieftraurig zugleich liefert »Glory« die afrikanische Variante von »Farm der Tiere«: eine bitterböse glänzende Satire über die jüngste post- wie neokoloniale Geschichte Simbabwes, in der Tiere statt Menschen sprechen und orale Erzähltradition auf Social-Media-Neusprech trifft.“

Jan Schönherr ist Übersetzer aus dem Englischen, Französischen, Italienischen und Rumänischen.

Ines Lauffer ist promovierte Literaturwissenschaftlerin und Buchhändlerin.

Sonja Hartl ist freie Journalistin.

NoViolet Bulawayo wurde am 12. Oktober 1981 in Tsholotsho in der Provinz Matabeleland im Westen von Simbabwe geboren. Sie ist in Bulawayo aufgewachsen und zum Studium in die USA gegangen. Dort hat sie einen Master an der Cornell University gemacht hat. Im Jahr 2013 erschien ihr erster Roman „Wir brauchen neue Namen“ (übers. von Miriam Mandelkow, Suhrkamp 2014), der als erster Roman einer Schwarzen Autorin vom afrikanischen Kontinent auf der Shortlist des Man Booker Prize stand. Auch „Glory“ stand 2022 auf der Shortlist für den Man Booker Award.

NoViolet Bulawayo: Glory. Übersetzt von Jan Schönherr. Suhrkamp 2023. 460 Seiten. 25 Euro.

Seit 2008 erscheint die Weltempfänger-Bestenliste auf Anregung des Autors, Übersetzers und Herausgebers Ilija Trojanow und gibt Orientierung über übersetzte Literaturen aus Afrika, Asien, Lateinamerika und der arabischen Welt. Litprom gibt die Bestenliste viermal jährlich heraus. Eine ehrenamtliche Jury aus acht Literaturkritikerinnen und Journalistinnen wählt stets sieben Titel aus. Die Weltempfänger-Bestenlisten sind auch auf der Webseite von Litprom zu finden.

Litprom wurde 1980 als „Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika e.V.“ gegründet und will den Dialog über und mit Literaturen des Globalen Südens im deutschsprachigen Raum anregen und fördern. Mehr Informationen gibt es auf der Webseite.

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Der Podcast wird gefördert vom Deutschen Übersetzerfonds.