Über Bachtyar Ali und Literatur aus dem kurdischen Sorani

Shownotes

Dem Engagement zweier Menschen ist es zu verdanken, dass Bachtyar Alis Werk in deutschsprachiger Übersetzung gelesen werden kann: Rawezh Salim und Ute Cantera-Lang. Im Podcast erzählen sie, wie es dazu kam, dass sie den kurdischen Autor übersetzen, wie ihre Zusammenarbeit aussieht – und sprechen gemeinsam mit Claudia Kramatschek und Sonja Hartl über seinen neuen Roman „Die Herrin der Vögel“.

Ein Buch, das klingt wie ein Märchen – aber der beeindruckende Roman „Die Herrin der Vögel“ ist bestimmt kein Märchen: Die schöne Sausan ist in die kurdische Heimat ihres Vaters zurückgekehrt. Dort buhlen drei sehr verschiedene Männer um ihre Gunst. Sie stellt ihnen eine Aufgabe: Sie sollen acht Jahre lang durch die Welt reisen und ihr 100 Vögel bringen. Erst dann wird sie entscheiden, ob und falls ja, wen sie heiratet. Daraufhin verlassen die Männer 1987 ihre Heimat und kehren ab Herbst 1994 zurück. In diesen Jahren wird der kurdische Irak von Kriegen heimgesucht: der zweite Golfkrieg, der kurdische Bürgerkrieg. Mit ihrer Aufgabe rettet Sausan den Männern das Leben. Aber als sie zurückkehren, finden sie eine veränderte Heimat vor. Gewalt zieht sich durch diese Jahre, diese Region und diesen Roman. Dass er im Original bereits 2009 erschienen ist, merkt man ihm nicht an. Im Gegenteil: Mit seinem Plädoyer für Weltoffenheit, für Neugier auf das vermeintlich Fremde, ist er aktueller denn je.

Ute Cantera-Lang hat Musik studiert und arbeitet nebenberuflich als Übersetzerin.

Rawezh Salim hat Translationswissenschaften studiert und arbeitet als Übersetzer und Dolmetscher für Deutsch, Kurdisch und Arabisch.

Claudia Kramatschek ist Moderatorin und Literaturkritikerin.

Sonja Hartl ist freie Journalistin.

Bachtyar Ali wurde 1966 im Nordirak geboren und geriet 1983 in Konflikt mit der Diktatur Saddam Husseins. Er hat sein Geologiestudium abgebrochen, um sich ganz der Poesie zu widmen. Sein erster Gedichtband erschien 1992 – und mittlerweile sind dazu weitere Bände, aber auch Romane und Essays gekommen. Seit Mitte der 1990er Jahre lebt er in Deutschland. 2017 wurde er mit dem Nelly-Sachs-Preis und 2023 mit dem Hilde-Domin-Preis ausgezeichnet.

Seit 2008 erscheint die Weltempfänger-Bestenliste auf Anregung des Autors, Übersetzers und Herausgebers Ilija Trojanow und gibt Orientierung über übersetzte Literaturen aus Afrika, Asien, Lateinamerika und der arabischen Welt. Litprom gibt die Bestenliste viermal jährlich heraus. Eine ehrenamtliche Jury aus acht Literaturkritikerinnen und Journalistinnen wählt stets sieben Titel aus. Die Weltempfänger-Bestenlisten sind auch auf der Webseite von Litprom zu finden.

Litprom wurde 1980 als „Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika e.V.“ gegründet und will den Dialog über und mit Literaturen des Globalen Südens im deutschsprachigen Raum anregen und fördern. Mehr Informationen gibt es auf der Webseite.

Für Kommentare, Feedback, Fragen erreicht Ihr uns unter litprom@buchmesse.de. Zum Instagram von Litprom

Der Podcast wird gefördert vom Deutschen Übersetzerfonds.